Bundesinnungs - News:
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Landesgartenschau Rosenheim 2010
Pressemitteilung
Rosenheim, 11. 01. 2010
Ein zukunftsweisendes Flechtkunstwerk - das Bambushaus auf der LGS
2000 Bambusstangen und 400 engagierte Spender
Rosenheim, den 8. Januar 2010 - Wie ein filigranes Nest liegt es in der Auenlandschaft am Ufer der Mangfall. Das Bambushaus des Rosenheimer Flechtwerkers Johann Bachinger, das innerhalb von drei Monaten auf dem Landesgartenschaugelände entstanden ist. Wer es betritt, fühlt sich geborgen und doch mit dem Himmel verbunden. Eine „Oase der Stille" wollte Johann Bachinger schaffen und das ist ihm gelungen. Der Freundes- und Förderkreis der Landesgartenschau mit seinen Vorsitzenden Claudia Grosse und Robert Multrus, hat ihn tatkräftig bei seinem Vorhaben unterstützt und voller Engagement „Sponsoren" gesucht - für die etwa 2000 Bam-busstäbe, die Johann Bachinger dann kunstvoll verwoben und verbaut hat.
Eine filigrane und doch stabile
Architektur ist so entstanden, von der Technik her, den leichten
Flächentragwerkkonstruktionen ähnlich, die der Architekt Frei Otto in den 60 er
Jahren entwickelte. „Ich wollte ein Haus am Fluss bauen, dass die Natur herein
holt und nicht ausschließt, das Innen und Außen Natur ist!", erklärt
Flechtwerker Bachinger. „Deshalb habe ich Bambus verwendet, das ist ein tolles
Material. Von der Stabilität mit Stahl vergleichbar, steif und trotzdem
elastisch. Und wenn man die Klimadiskussionen verfolgt auch
zukunftsweisend," fügt er hinzu. Johann Bachinger schätzt Bambus auch als
nachwachsenden Rohstoff. Denn mittlerweile gebe es schon in Italien und
Frankreich Bambusplantagen, berichtet der Flechtexperte, der europaweit mit
Kollegen an innovativen Architek-turprojekten arbeitet. Stahlbau mit Geflecht,
Trennwände und ganze Wellness-Bereiche aus geflochtenen Wänden sind bei
Design-Puristen momentan angesagt. In Berlin stand Bachinger einem Schulprojekt
als Berater zur Seite, bei dem gleich eine ganze Hausfassade mit Geflecht
verkleidet wurde. In Rosenheim hat der 74jährige nun sein Bambushaus gebaut.
Und es ist eine handwerkliche Meisterleistung geworden, die alte Traditionen
mit den modernen Strömungen des Flechtwerk-Handwerks verbindet. Früher
Korbmacher, heute Flechtwerkdesigner und Konstrukteur.
Jede der fünf bis sechs Meter langen Stangen musste in einen pas-senden Winkel
gebogen und fest im Boden verankert werden. Etwa 120 Quadratmeter misst allein
das runde Haupthaus, ein kleinerer Anbau erweitert den Raum. Die großzügige
Höhe von 3,70 Metern verstärkt den luftigen, kuppelartigen Eindruck. Mehr als
40 Tage Arbeit hat Johann Bachinger in sein Bambushaus gesteckt ehrenamtlich,
denn seine höchst professionelle Arbeitsleistung hat er seiner Heimatstadt
Rosenheim und der Landesgartenschau geschenkt. Nur ein angemessener Lohn für
seinen einzigen ständigen Helfer, war Bachinger ein Anliegen. Also mussten
„nur" die Material- und Transportkosten aufgebracht werden, die allerdings
auch noch rund 20 000 Euro ausmachten. Dank des Engagements vom Freundes- und
Förderkreis der Landesgartenschau, der unermüdlich für das Bambushaus
„getrommelt" und gesammelt hat, fanden sich 400 Rosenheimer Bürger, die
bereit waren dieses ausgefallene Projekt finanziell zu unterstützen. Dreißig
von Ihnen halfen Johann Bachinger sogar mit ihrer eigenen Arbeitskraft, direkt
im Bambushaus. Der jüngste war 11 und mit Begeisterung dabei, der Älteste 70
und nicht minder aktiv. Und das ist es, was Claudia Grosse, die Vorsitzenden
des Förderkreises am meisten fasziniert: "400 Rosenheimer haben sich ohne
wenn und aber für die Idee begeistern lassen, haben uns unterstützt und sich
damit für ihre Stadt und die Landesgartenschau engagiert", schwärmt die
Juristin, die sich schon seit 1998 für die Idee einer Gartenschau in Rosenheim
eingesetzt hat. "Wenn eine Stadt unverwechselbare und außergewöhnliche
Dinge bietet, dann können sich die Bürger damit identifizieren und das
Bambushaus ist ein tolles Projekt genau wie die gesamte Gartenschau,"
davon ist Claudia Grosse überzeugt. Besonders gefällt ihr, dass das Bambushaus
den magischen Charakter der Flusslandschaft aufnimmt, Respekt vor der Natur
vermittelt und die Besucher vielleicht ein we-nig zum Innehalten, zum
Nachdenken über unsere Wurzeln anre-gen kann.
Bis zur Eröffnung der Gartenschau sind jetzt nur noch einige Schön-heitskorrekturen zu machen. Durch eine Schutzfolie soll einen Teil des Bambushauses wetterfest werden und die Edelstahldrähte, die den Bambus fixieren, werden noch mit Bananenblattfasern umwickelt. Umsichtig und liebevoll, wie das ganze Projekt, das vor allem eines ist, eine Liebeserklärung von Johann Bachinger an seine Heimatstadt Rosenheim.
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Pressebericht vom 09.04.2010 Obermain Tagblatt
„Mehr aus den Einzelbausteinen machen“
„Zentrum europäischer Flechtkultur Lichtenfels (ZEF)“ gegründet / Kompetenzen in der Korbstadt koordinieren
LICHTENFELS - Ideen und Projekte, die den Bekanntheitsgrad der Deutschen Korbstadt mehren sollten, gab es viele. Allein an deren Umsetzung und Koordination schieden sich oftmals die Geister und wenig wurde in die Tat umgesetzt. Die Mitglieder des gestern gegründeten Vereins „Zentrum europäischer Flechtkultur Lichtenfels (ZEF)“ möchten sich künftig dafür einsetzen, dass die vorhandenen Kompetenzen rund um das Flechthandwerk in der Stadt besser gebündelt und nach außen getragen werden.
Zweck des Vereins ist es, das Wissen um die jahrtausendealte Kultur und Kunst des Flechtens zu bewahren, zu pflegen, präsentieren, dokumentieren, weiterzuentwickeln und dieses Wissen in Europa zugänglich zu machen. So steht es in der Satzung. Sitz des Vereins ist die Kreishandwerkerschaft, die ebenso für die Finanzierung zuständig ist.
Dr. Bernd Sauer, Marketingleiter der Handwerkskammer Oberfranken, verdeutlichte den Anspruch: „Der Verein soll ein Dach über die unterschiedlichen Kompetenzen des Flechthandwerks in und um Lichtenfels bilden. Er soll strategische Unterstützung bieten und Basis für etwas Neues sein.“
Umfangreich ist denn auch die Liste der Mitglieder und Förderer. Neben der Stadt und dem Landkreis sind dies unter anderem das Innovationszentrum, die Berufsfachschule für Flechthandwerk, die Gemeinde Michelau als Träger des Korbmuseums, die Innungen und Innungsverbände, die Kreishandwerkerschaft und die Handwerkskammer Oberfranken sowie das Coburger Designforum und die Hochschule.
„Wir haben im hiesigen Raum einmalige Einrichtungen und Kompetenzen, in deren Verzahnung große Potentiale liegen. Die Chance liegt darin, aus diesen Einzelbausteinen mehr zu machen. Und gemeinsam werden wir auch vorankommen“, nannte Josef Breunlein seine Motivation, den Posten des Vorsitzenden zu übernehmen. Synergieeffekte sollten durch Koordination erzeugt werden und so neue Möglichkeiten für die Korbstadt im gesamten europäischen Raum geschaffen und erschlossen werden. Der 2. Vorsitzende und Landesinnungsmeister des Bayerischen Flechthandwerks, Bernd Witzgall, unterstrich die Freude des Handwerks über die Vereinsgründung.
Exklusives aus Geflecht
Professor Auwi Stübbe von der Fachhochschule Coburg betonte die angestrebte projektorientierte Arbeitsweise und konkretisierte: „Es könnten beispielsweise exklusive Geschenkverpackungen aus Geflecht für öffentliche Anlässe entwickelt werden. Wichtig dabei ist, dass die Produkte auch in der Region umgesetzt werden können.“ Am und um den Korbmarkt könne das Konzept des „Festivals der Flechtwerkgestalter“ ausgebaut werden, nannte er ein weiteres Beispiel. „Dadurch können wir den internationalen Austausch stärken.“
Zur Finanzierung der verschiedenen Projekte könne auch das Sponsoring beitragen. Zusammenfassend gelte es, den kulturellen Anspruch des Flechthandwerks zu stärken und langfristig angelegte Marketingkonzepte an die Politik heranzutragen.
Fachlehrer Günther Mix brachte die Kluft zwischen Wunsch und Realität der Deutschen Korbstadt auf den Punkt: „Nicht nur in den europäischen Fachkreisen gilt Lichtenfels schon jetzt als ein Zentrum dieses Handwerks. Diesen Ruf müssen wir über diesen Fachkreis hinaus in der breiten Öffentlichkeit besser publik machen.“ Er teilte mit, dass beim diesjährigen Korbmarkt Korbflechter aus der Schweiz zu Gast sein werden.
„Es steckt sehr viel Idealismus im Flechthandwerk. Wenn die Menschen das Handwerk auch als solches erleben, erkennen sie auch die Wertigkeit der Flechterei und der Flechtprodukte wieder“, thematisierte der stellvertretende Bundesinnungsmeister Thomas Backhof die lebenden Werkstätten. Das „Festival der Flechtwerkgestalter“ sei eine ausbaufähige Möglichkeit, wie sich das heimische, aber auch das europäische Flechthandwerk, gegenüber Importprodukten nicht nur qualitativ abgrenzen könne.
Bis zum 10. Mai sollen die Formalien der Vereinsgründung abgeschlossen sein. Dann beginnt die eigentliche Arbeit. Die Stichpunkte auf der Projektliste stimmen hoffnungsvoll: Tourismuspaket um das Thema Flechten, geflochtener Biergarten, Weidenweg, Workshops und ein Konzept, wo Flechtobjekte in Lichtenfels stehen könnten, sind nur einige davon.
Pressebericht in Franken.de
Konzertierte Aktion für die Flechtkultur
09.04.10
Vereinsgründung In Lichtenfels wurde der Verein "Zentrum europäischer Flechtkultur" gegründet. Er soll sich um den Erhalt und die Weiterentwicklung der uralten Handwerkstradition des Flechtens, um Marketing und den internationalen Austausch kümmern.
Gründung des Zentrums europäischer Flechtkultur Lichtenfels e.V.: Sitzend, von links stellvertretender Vorsitzender Bernd Witzgall, gleichzeitig Landesinnungsmeister, Vorsitzender Josef Breunlein, dahinter (v.l.) Kreishandwerksmeister Matthias Söllner, stellv. Bundesinnungsmeister des deutschen Flechthandwerks, Thomas Backof, Landrat Reinhard Leutner, Günter Mix von der Staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung, Bürgermeisterin Bianca Fischer, Lichtenfels, Bürgermeister Helmut Fischer, Michelau, Bernd Sauer (Handwerkskammer für Oberfranken), Professor Auwi Stübbe (Vorsitzender des Innovationszentrums) und Roland Vogel, stellv. Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Coburg- Lichtenfels.
Die einzigartige Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung in Lichtenfels,
das Deutsche Korbmuseum in Michelau - die Region am Obermain verfügt über einen
Fundus an flechterischem Know-how von europäischem Rang. Doch bislang fehlte
eine schlagkräftige Organisation, die die vorhandenen Kompetenzen stärker ins
öffentliche Bewusstsein rückt und vermarktet. Am Freitag, 9. April, wurde in
Lichtenfels ein Verein aus der Taufe gehoben, der diese Lücke schließen soll:
"Zentrum europäischer Flechtkultur Lichtenfels e. V." lautet sein
Name.
Die Mitglieder
Zu den Mitgliedern gehören die Stadt und der Landkreis Lichtenfels, die
genannte Fachschule und die Gemeinde Michelau als Träger des Korbmuseums, das
Innovationszentrum Lichtenfels, Innungen und Innungsverbände,
Kreishandwerkerschaft und die Handwerkskammer für Oberfranken, das Coburger
Designforum sowie die Hochschule Coburg, Fakultät Design.
Unter Flechtern sei Lichtenfels längst das europäische Zentrum der Flechtkultur, betonte als Vertreter der Bundesinnung des Flechthandwerks Thomas Backof. Künftig soll dies nicht nur einmal im Jahr beim Lichtenfelser Korbmarkt deutlich werden. Seit einigen Jahren schon wird dabei das "Festival der europäischen Flechtkultur" gefeiert, wenn kreative Flechter im Umfeld der Stadtpfarrkirche zeigen, was machbar ist. Künftig soll dabei immer ein bestimmtes Land als Gastland vertreten sein, kündigte Fachlehrer Günter Mix (Staatliche Berufsfachschule fürFlechtwerkgestaltung) an. Nachdem sich im vergangenen Jahr dort eine dänische Gruppe präsentierte, würden heuer Gäste aus der Schweiz erwartet. Die Durchführung des "Festivals der Flechtkultur", von Symposien und Seminaren, außerdem die Förderung und Organisation des nationalen und internationalen Kontakts und Austausches sind nur einige von vielen Aufgaben des neu gegründeten Vereins.
"In der Vernetzung liegt die Kraft"
"In der Vernetzung liegt die Kraft heutzutage", unterstrich Professor
Auwi Stübbe, Vorsitzender des Innovationszentrums Lichtenfels. Dass sich
beispielsweise die Hochschule Coburg mit dem Thema Verpackung beschäftigt,
könnte Produktideen hervorbringen, von denen das heimische Flechthandwerk
profitiert: Geschenkverpackungen aus Geflecht, die nicht so aussehen, wie aus
dem Supermarkt.
Warum einen Verein?
Dr. Bernd Sauer, Marketingleiter der Handwerkskammer für Oberfranken, hat das
Thema Vereinsgründung maßgeblich vorangebracht. Die Grundlage war bereits im
vergangenen Jahr bei einem Workshop gelegt worden. Warum schon wieder einen
neuen Verein? Die Frage stellte und beantwortete er selbst: Weder Korbmuseum
noch Fachschule hätten eine Marketingabteilung; das Innovationszentrum sei in
seiner Tätigkeit zunächst erst einmal nach innen gerichtet. "Es braucht
ein Dach darüber, das groß genug ist, um das, was an Kompetenzen vorhanden ist,
öffentlich zu machen und zu vermarkten." Auch beim Rekrutieren von
Finanzmitteln der öffentlichen Hand würden heutzutage Konzepte verlangt. Der
Trend gehe dazu, nur langfristig angelegte Projekte zu fördern.
An Ideen und Entschlossenheit, das Flechthandwerk voran zu bringen, mangelt es wahrlich nicht. Dies wurde in der Pressekonferenz nach der Gründung deutlich. Es wurde aber auch die kritische Frage gestellt, wie weit man in der Realisierung kommen würde, inwieweit man politischen Rückhalt und die notwendige finanzielle Unterstützung haben würde.
Der frisch gewählte Vorsitzende Josef Breunlein aus Lichtenfels zeigte sich optimistisch. Gerade in der Verzahnung liegen seiner Ansicht nach noch einige Chancen, einige Ressourcen, die es zu heben gelte. Dies habe ihn motiviert, als ihm das Amt des Vorsitzenden angetragen wurde. "Wenn man koordiniert vorgeht, kann man Synergieeffekte erzielen und aus Einzelbausteinen mehr machen", so Breunlein. Mit der Wirtschaftsförderung am Landratsamt seien neue Strukturen geschaffen worden, um die "Leader"-Fördermittel der europäischen Union besser zu nutzen. Auch bei der Stadt Lichtenfels gebe es eine Entwicklung, die Visionen aufzeige - namentlich das Projekt "Visionen 2020". Josef Breunlein konnte durch seine berufliche Tätigkeit im Bereich Öffentlichkeitsarbeit sehr viele Kontakte knüpfen und befindet sich jetzt im Ruhestand. Jahrelang fungierte er beim Lichtenfelser Korbmarkt als Moderator. Als eine neutrale Person, unabhängig von den genannten etablierten Einrichtungen, erschien er für die Aufgabe prädestiniert.
Ihm zur Seite steht als Zweiter Vorsitzender Bernd Witzgall, der als Bayerischer Landesinnungsmeister die volle Unterstützung des Flechthandwerks zusicherte.